Ergänzende Artikel

Die etwas weitere Anfahrt zur Kammloipe

Auch wenn bei idealer Schneelage im Erzgebirgs- und angrenzendem Raum mindestens 1200km maschinell präparierter Loipen zum Langlauf einladen, existiert auf der so genannten Skimagistrale Schöneck - Altenberg (bzw. in Verlängerung bis Schöna) keine durchgängig gespurte Strecke. Während im östlichen, als Hohe Tour bekannten Teil durch eine mehr oder weniger definierte Streckenführung eine getretene Loipe sehr wahrscheinlich ist, ähnelt die optimale Streckenwahl zwischen Bozi Dar (bzw. Oberwiesenthal) und Lesna einer Lotterie, wobei sich anstatt eines Hauptgewinns bestenfalls ein Trostpreis im Topf befindet.

Letzteren zu finden, war meine Motivation, die Anreise in den Urlaubsort per Ski zu vollziehen (das Gepäck transportierte die bessere Hälfte).

Mit dem Wintersportzug der Sächsischen Städtebahn (konstanter Service: defektes WC) ging es nach Altenberg, wo, wie üblich, Nebel und ein kräftiger Wind
eine sofortige Umkehr nahelegten. Aber diese Option war ausgeschlossen. Um den Windeinfluss zu minimieren, passierte ich erst vor Neurehefeld-Zaunhaus die Grenze und schob nach Nove Mesto hoch anstatt in Zinnwald direkt auf die Skimagistrale zu wechseln. Das bescherte zwar zusätzliche Höhen- aber keine weiteren Kilometer :whistling: .

Am Stürmer zeigte sich das Wetter stürmisch. Eine dicke Schicht Rauhreif hatte sich von den Bäumen in die Spur gelegt, in windgeschützen Lagen dominierte Harsch. Tückisch war der ständige Wechsel von bremsenden zu gleitenden Bedingungen. Nach der Talsperre Flaje dann der erste harte Anstieg gefolgt von zwei rasanten Abfahrten, wobei ein lautes "Pozor!" zwei Touristen rechtzeitig aus der vereisten Spur fegte. Ab Mnisek dann zunehmend Pappschnee und der erste "Verhauer" vor Lesna als ich mich für den direkten Anstieg über den E3-Wanderweg entschied. Die "lockende" Spur zu Beginn zog nach Norden, den steilen Hohlweg wühlte ich mich im Tiefschnee hinauf. Die 2 Kilometer Umweg über die Loipe wären eine lohnende Investition gewesen...

In Lesna nun die Lottoziehung: Nach Norden über Kalek nach Rübenau um das dort beginnende Loipensystem nach Satzung zu nehmen? Oder doch strikt westlich der kürzesten Möglichkeit auf böhmischem Gebiet folgen? :/

Ich wählte aufgrund der vorhandenen Loipe Letzteres. Die 150m Höhenverlust auf der Abfahrt schmeckten bitter, zumal ich mir nicht getraute, die Ski freizugeben und die ständige Pflugstellung zusätzlich an der schwindenden Kraft zehrte. Vor und in Svahova hatte man die Loipe in Senken so gelegt, dass man am Grund auf Null abbremsen musste, um vor dem jeweils folgenden Anstieg jeglichen Schwung verloren zu haben.

Da die Loipe hier scheinbar (anscheinend?) endete - nach Karte hätte sie weiter dem Waldrand folgen müssen - war die Nutzung des E3-Wegs nach Zakouti obligatorisch. Am Ortsausgang erwartete mich eine frisch gezogene Loipe. Nur kurz währte die Freude, dann zog die Spur gen Norden und ich durch Tiefschnee Zakouti entgegen. Die zersiedelte Ortschaft hatte ich bereits mehrfach im Rahmen von "Ski individuell" passiert, allerdings stets nachts, was die Orientierung erschwerte und ich für die folgenden Kilometer den Fußmarsch über die Straße bevorzugte. Bei Tageslicht erkannte ich nun die Weiterführung jenseits des Taleinschnitts und hielt über das Feld (wacklige verharschte Abfahrt) strikt darauf zu. Im steilen Abschluss trug ich die Ski, fand eine kleine Brücke über den Bach und musste nur ca. 500m der Straße folgen, bevor eine dezent beräumte Forststraße akzeptable Skibedingungen bot.

Bis Novy dum blieb alles "im grünen Bereich".

Doch eine Niete! ;(
In den folgenden Kilometern hatten zwar einige Skifahrer eine Spur getreten, aber im lockeren Schnee war der Skistock keine Hilfe, er versank ins Bodenlose ohne für Vortrieb zu sorgen. Ich bewegte mich mit kaum mehr als 5 km/h vorwärts! Den Versuch, einer Spur nach Nordwesten zu folgen, brach ich nach 500m ab, sie wand sich in eine unerwünschte Richtung. Jenseits der nach Reitzenhain führenden Hauptverkehrsader frohlockte ich über eine vom Forst gelegte Fahrspur. Ganze 600m brachte sie mich voran, bis ich eine Herde Rehe von ihrer Futterstelle vertrieb, an der die "Präparierung" endete. Etwas nördlich zog ich für 2km eine neue Spur durch den Schnee.

Ich stieß wiederrum auf eine Forststraße und mit neuem Mut zog ich leicht links im Skatingschritt den seichten Hang hinauf. Doch, oh Schreck, nach einem reichlichen Kilometer erreichte ich die Straße, die ich an anderer Stelle vor einer knappen Stunde gequert hatte - ich war in die entgegengesetzte Richtung gelaufen! Kehrtwendung. Bergab zur Grenze und dieser auf teils vorhandener "manueller Loipe" folgend erreichte ich mit Einbruch der Nacht die Pressnitztalsperre. Östlich verhalf eine beräumte Forststraße zu schnellem Gleiten, von einer kurzen verwehten Passage abgesehen.

Das unangenehmste Teilstück stand an: der Aufstieg nach Medenec. In umgekehrter Richtung folgt man vom Ort aus strikt dem Bahndamm, um dann knapp 2 km direkt über freies Feld steil abzufahren. Aber mich dort hinauf zu quälen kam nicht in Frage! Ich entschloss mich die 8km über die Straße zu laufen. Hinter der Leitplanke erspähte ich eine frische Spur, der ich dann doch per Ski folgte, bis selbige die Straße verließ. Die Richtung ließ vermuten, dass sie eine Abkürzung zum Straßenverlauf darstellte. Eine Abkürzung, die verlockend wirkte. Also stemmte ich mich doch diagonal dem Hang entgegen. Mit Langlauf hatte das Schleichen nichts zu tun...

Ich lag weit hinter dem Zeitplan zurück und meine Verpflegung neigte sich rapide dem Ende. Das "bessere" Hotel in Medenec hatte geschlossen, das Hostinec hatte Küchenschluss, eine dritte Option existierte nicht. Zwei isotonische Sportgetränke (Gambrinus) und eine Packung Salzstangen mussten genügen...

Nach weiteren 4 km zu Fuß stieß ich hinter Horni Halze auf die bestens präparierte Trasse (eine im Winter gesperrten Straße), der ich bis Bozi Dar zu folgen hoffte. Nach gut 8km erreichte ich den ersten Abfahrtshang am Klinovec, ein Stück die geräumte Straße hinunter musste die Fortführung der Loipe sein. Doch ich fand sie nicht und entschied mich zum 5 km Fußmarsch hinauf dem Sattel des Berges. Jenseits erreichte ich die Skilifte von Neklid, wo ich prompt eine zu weit westlich liegende Abfahrt erwischte. Ich wunderte mich bald, dass mich am unteren Ende des Hanges kein Lichtermeer erwartete. Bozi Dar musste doch dort liegen!!! Zunächst leicht ansteigend später abfahrend den Hang querend fand ich auf den rechten Weg zurück und erreichte den Skiort.

Die frisch präparierte Skimagistrale war ein Genuss. Trotz versiegender Kräfte kam ich endlich wieder spürbar voran. Dem vorletzten Anstieg bei Pernink gedachte ich ein Schnäppchen zu schlagen, in dem ich vor Horni Blatna direkt übers Feld auf die Straße zuhalten und auf letzterer die Höhe gewinnen würde.

Leider hatte ich den Taleinschnitt mit Bachquerung übersehen. Die noch dazu schlechte getretene Spur war im Anstieg zermürbend. Wieder auf der Magistrale, erwies sich auch die letzte "Abkürzung" als Flop, eine halbe Stunde verlor ich im Tiefschnee, als im Bereich des Grenzbergs die richtige Schneise suchte. Nachts bleibt halt das scheinbar Bekannte verborgen...

Erst 2:30 Uhr erreichte ich mein Ziel in Johanngeorgenstadt...

Statistik:

  • Gesamtzeit 17 Stunden
  • Gesamtstrecke 138 km (davon ca. 15 km zu Fuß)
  • eine frustrierte Frau (deren Laune sich beim späteren Langlauf besserte)


Erkenntnis: Abkürzungen lohnen sich nicht!

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Na Tokáni (Balzhütte) ist eine winzige Einzelsiedlung nordwestlich von Jetřichovice (Dittersbach).

Das weitläufige Waldgebiet war vor ihrer Ausrottung Heimat eines bedeutenden Auerhahnpopulation und somit bevorzugtes Jagdrevier des böhmischen Adels. Um den durch die Jagden zunehmend rückläufigen Bestand zu bewahren, wurden die Fasanen teilweise in Gehegen gehalten, für deren zum Unterhalt erforderlichen Personal vermutlich zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine erste Hütte am heutigen Standort errichtet wurde.

Die alte Balzhütte brannte 1905 nach einem Kurzschluss in der Elektroinstallation vollständig ab. Mit dem Aufbau der heutigen Gebäude im alpenkändischen Stil wurde umgehend begonnen. Die Ansiedlung mit Jagdschloss, Gästehaus, Schankwirtschaft und drei kleineren Nebengebäuden entwickelte sich schnell zu einem beliebten Ausflugsziel, sodass der Besitzer Fürst Kinsky eine umfriedete weitere Hütte weiter westlich errichten ließ. Auch diese dient heute als beliebte Einkehr.

Aus der Sächsischen Zeitung vom 19.02.1972

Am l7. Januar, zwischen 19 und 19.30 Uhr, kam es an der Südwand des Papststeines zu einem größeren Felssturz. Eine etwa 15 m hohe, 12 m breite und 8 m tiefe Wand (etwa 1500 Kubikmeter) stürzte ab und zerstörte auf einer 50 bis 80 m breiten Fläche die etwa 8Ojährigen Kiefern auf dem unterliegenden Hang. Was mag die Ursache dieses Felssturzes sein?

Am Fuße der Felswand hatte sich eine tiefe Schichthöhle ausgebildet. Die Oberkante der Wand wird von einer 14 bis 20 m breiten Terrasse gebildet. Diese Terrasse ist mit Buchen bewaldet. Oberhalb der Terrasse steilen nochmals 12 bis 15 m hohe, senkrechte bis überhängende stark geklüftete Wände auf. Unmittelbar über dem einspringenden Winkel des Felsabbruches wird die oberste Sandsteinwand von einer breiten Felsspalte aufgegliedert, die an der Basis deutliche wasserfallartige Wirkungen von vorausgegangenen Starkregen zeigt. Unterhöhlung der Wand von unten her, ständige gute Durchfeuchtung und chemische Verwitterung von oben her, Erweiterung der Klüfte durch den Wurzeldruck der Bäume arbeiteten also seit langem an der Vorbereitung des Felssturzes. Der Witterungsverlauf der letzten Wochen und Monate tat dann sein übriges.

Durch kurze, intensive Fröste Ende November und Anfang Dezember konnte die Feuchtigkeit - besonders wirksam werden; Im Dezember und Januar kam es nahezu täglich zu Frostwechsel, so daß die Frostverwitterung recht intensiv werden konnte. Hierzu kommt, daß die Monate Oktober bis Dezember und die erste Januarhälfte durch Windstärken ausgezeichnet waren, die beträchtlich über dem Normalwert lagen. Wer einmal beobachtet hat, mit welcher Wucht bei Sturm die in Gipfelnähe stehenden Bäume der Sächsischen Schweiz angefallen werden, der kann ermessen, mit welcher Kraft der Wurzeldruck in den Klüften des Gesteins arbeitet.

Am gleichen Ort sind noch zwei kleine Nachstürze (Bäume, deren Wurzelteller bereits über die Abbruchkante hinaushängen und überhängende stark geklüftete Felsmassen am oberen Rand des Abbruches) in nächster Zukunft zu erwarten. Noch viele Jahre werden die frischen Farben der Abbruchstelle und die großen Blöcke am Fußhang von diesem interessanten Naturereignis künden.

Dr. Gottfried Andreas

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Geschichte

Die Buschmühle ist eine von ingesamt sieben noch existierenden Mühlen am Unterlauf der Kirnitzsch. In älteren Karten aus dem 18. Jahrhundert ist sie noch als Obermühle auf dem anderen Ufer der Kirnitzsch, direkt an der Einmündung der Straße nach Ottendorf, verzeichnet. Nach einem Brand wurde sie an jetziger Stelle neu errichtet.

1592 ist mit dem Eintrag auf Öders Karte [Meiche - Mühlenbuch] der älteste Hinweis auf die Buschmühle zu finden. Anfangs als Brettmühle genutzt, wurde 1710 die Konzession zur Erbauung einer Mahlmühle erteilt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Anlage zum Zerkleinern von Baumrinde verwendet (Konzessionserteilung im Jahr 1873), die als pflanzliche Gerbmittel Verwendung fand.

Die wüst liegende Schneidmühle wurde 1813 in Stand gesetzt, konnte aufgrund ausbleibender Genehmigungen aber erst Jahre später die Arbeit aufnehmen. Ab dem 19. Jahrhundert kam die Ausübung des Schankrechts als wichtige Erwerbsquelle hinzu. Überlieferungen zur Folge war die Buschmühle vor allem wegen ihres Obstweines berühmt.

Einer kurzen Szene in der Hollywood-Verfilmung von Bernhard Schlinks Roman "Der Vorleser" (2008) diente die Buschmühle als historische Kulisse eines Ausflugslokals. Aber einen Hinweis, dass Kate Winslet in der Mühle verweilte, sucht man im Gastraum vergebens.

Buschmüllers Räumicht

Die so bezeichnete Lichtung befindet sich knapp 500m südöstlich der Buschmühle und ist über den steilen Pflasterpfad zu erreichen, den man im Talgrund nach ca. 200m rechter Hand verlässt, um bei einer Scheune auf die früher landwirtschaftlich genutzte Fläche zu stoßen. Heute findet man hier eine unbemannte Wetterstation und am östlichen Ende, links des die Lichtung teilendes Wegs, eine im Gras verborgene Zisterne. Karten des 16. Jahrhunderts verzeichnen hier eine kleine Ansiedlung namens Jentzschdorffel, die aber bereits Ende desselben Jahrhunderts aufgegeben wurde.

Funde von Brandspuren und bearbeiteter Steine werden alten Bergbauanlagen zugeschrieben. Urkundlich bestätigt ist ein Stollen am Heulenberg (damals Hanneberg). Auch die Goldwäscherei wurde mit wenig Erfolg im nahen Kleinen Zschand versucht.

Barbarine Die Barbarine, die einer Sage nach als Mahnmahl für alle ungehörigen jungen Mädchen steht und die Versteinerung einer selbigen Jungfer, die unerlaubt der Sonntagskirche fernblieb, ist, gilt als das Wahrzeichen der Sächsischen Schweiz.

1905 durch Oliver-Perry-Smith und Rudolf Fehrmann (Herausgeber des ersten Kletterführers der Sächsischen Schweiz) erstmals bestiegen, ging für Bergsteiger eine solche Faszination von der schlanken Felsnadel aus (1000. Besteigung nach bereits 6 Jahren), dass 1930 der damalige Besitzer des Flurstücks aufgrund der Waldschäden im Gelände ernsthaft eine Sprengung in Erwägung zog. Ein Verkauf nach Protesten gegen den Abriss bewahrte den Fels vor der Zerstörung.

Allerdings führten wiederholte Blitzeinschläge in den Gipfelkopf, dessen eiserne Gipfelstange unbeabsichtigt als Blitzableiter diente, 1944 zu ernsthaften Rissen im Fels, sodass trotz mehrfach vorgenommener Sanierungen - und Entfernung des Blitzableiters - 1975 endgültig ein Kletterverbot für den Felsen ausgesprochen wurde. Offiziell kommen heute nur noch Auserwählte in Rahmen von jährlichen Kontrollbesteigungen in den Genuss des Gipfelglücks.

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