Die Kahnpartien
Kirnitzsch

Bereits im Mitteltalter nutze man die Kirnitzsch, um das Holz aus den Einzugsgebieten zeitsparend abzutransportieren. Ein Teil der Stämme wurde in Brettmühlen entlang des Flusses verarbeitet. Das Gros jedoch wurde im Mündungsbereich zur Elbe in Bad Schandau gesammelt, um als Floß oder Schiffsladung weiter flussab transportiert zu werden. Um auch die Wälder im Oberlauf wirtschaftlich nutzen zu können, wurden um 1580 die Obere und vor 1612 die Niedere Schleuse erbaut. Im angestauten Bett ließen sich die Stämme auch bei typischen Wasserstand einfach transportieren, um im Bereich der Staumauern zwischengelagert zu werden. Durch Öffnen der Schleusen ermöglichte die Flut dann das Flößen des Holzvorrats zur Mündung.

Mit dem Bau der Straße im 19. Jahrhundert wurde der Holztransport zunehmend auf diese verlegt und die Flößerei verlor rasch an Bedeutung. Im Bereich der Oberen Schleuse wurde allerdings erst 1964 das Flößen endgültig eingestellt. Heute erinnert der beschilderte 15 km lange Abschnitt des Flößersteigs zwischen Neumannmühle und Bad Schandau an den einstigen Berufszweig (der Flößersteig selbst beginnt an der Oberen Schleuse, ist dort aber aus Gründen des Naturschutzes in weiten Bereichen nicht zugänglich).

 kahnpartie obere schleuse 20160121 1129284956Geblieben sind die beiden Schleusen, wobei man dem zunehmenden Fremdenverkehr erstmals 1879 einen Fahrtbetrieb auf einer 700m langen Strecke oberhalb der Oberen Schleuse anbot. Dem Initiator der Kahnfahrten, dem Hinterhermsdorfer Oberförster Hermann Schlegel, ist am Hermannseck unweit der Schleuse eine Hütte mit Gedenktafel gewidmet (Schlegelhütte).

Die Resonanz bei den Sommerfrischlern führte bereits im Folgejahr zum Einsatz eines zweiten Kahns. Heute zählt der Betreiber, die Gemeinde Hinterhermsdorf, bis zu 60.000 Besucher pro Saison.

 

Kamenice

Die Quelle des 37,5 km langen Flussen, dessen Name sich aus dem slawischen kamenný ("steinig") ableitet, liegt im Lausitzer Gebirge am Berg Stožec. Große Vorkommen an Lachsen und Forellen wurden von alters her bewirtschaftet, Mühlen zur Papierherstellung oder als Sägewerke säumten gleich mehrere den Fluss. Die "Klammen", nahezu unzugängliche Schluchten am Unterlauf der Kamenice, dienten zunächst nur zum Holzflößen. Überliefert ist die Existenz eine Schänke in Hřensko - "Herrnskretschen", abgeleitet aus dem Slawischen Krezmar ("Schankwirt") - bereits um 1445, "die von Flößern genutzt wurde". Flößer waren es vor allem, die sich an der einstigen Handelsroute ansiedelten.

1877 soll eine Wette im Gasthaus "U Zeleného stromu" (in Janov) 5 Wagemutige motiviert haben, die Klammen unterhalb der Grundmühle (Dolský mlýn) mit einem Floß zu befahren. Die Erstbefahrung gelang ohne größere Schwierigkeiten.

 

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 Die Edmundsklamm (Edmundova soutěska) oder auch Stille Klamm (Tichá soutěska) ist der 960m lange unterste Teil der Klammen. Der Besitzer der Herrschaft, Fürst Edmund Clary-Aldringen, gleichzeitig auch die treibende Kraft hinter der touristischen Erschließung des Gebirges, heuerte italienische Fachleute an, die reichlich Erfahrungen im Tunnelbau in den Alpen gesammelt hatten, und nun 200 Arbeiter anleiteten, mittels Steige und Tunnel die Klammen zu erschließen. Die Tunnel wurden während des Winters erstellt, indem Feuer den Stein erhitzte und eisiges Wasser den Stein bersten ließ.

1890 eröffnete die Kahnfahrt der Edmundsklamm.

 

 

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 Bis zur Fertigstellung der 450m langen Kahnfahrt durch die Wilde Klamm (Divoká soutěska) vergingen weitere acht Jahre Bauzeit.

Stehen beide Kahnfahrten auf dem Tagesprogramm, dann ist eine gut 2km lange Wanderung zwischen beiden zu absolvieren.

 

 

 

Oberhalb der Wilden Klamm, genauer - sogar oberhalb der Grundmühle, existierte bis zum Beginn der 2. Weltkrieges eine weitere Kahnfahrt: die Ferdinandsklamm. Ignaz Fiedler aus Srbská Kamenice bot 1877/78 Wildwasserfahrten, beginnend nahe der Einmündung der Chřibská Kamenice, bis zur Staumauer der Grundmühle an. Bez. der Namensgebung gibt es widersprüchliche Angaben. Da wird zum einen (Informationstafel an der Mühle) der Herrschaftsbesitzer Fürst Ferdinand Kinsky als Namensaptron genannt. Andere Quellen (Wikipedia) bringen selbigen mit dem Besuch des österreichisches Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este in Zusammenhang, dem zu Ehren der Fluss 1881 angestaut wurde, um ihm (und damit den nachfolgenden Besuchern) eine Kahnpartie zu ermöglichen. Der Überlieferung nach führte der geringe Wasserstand dazu, dass flussauf die leeren Kähne geschleppt werden mussten.

 

Sonstiges

Während beschauliche Kahnfahrten den Teilnehmern keinerlei Anstrengungen abverlangen, soll es auch Charaktere mit einer Obzession zur körperlicher Betätigung geben. Auf flüssigem Untergrund bieten sich im Einzugsbereich des Elbsandsteingebirges mehrere Aktivitäten an.

 Wie wäre es mit einer Gondelpartie?

 unsortiert 2 20150630 1103320575Die einzige aufgrund der landschaftlichen Reize allerdings auch sehr beliebte Möglichkeit hierzu bietet der Amselsee in Rathen. In den Monaten Mai bis Oktober können sie sich auf ca. 300m befahrbarer Strecke unterhalb der markanten Lokomotive kräftig in die Riemen legen.

Beim Amselsee handelt es sich um den auf einer Gesamtlänge von 540m angestauten Grünbach. Die Staumauer wurde 1934 errichtet. Unterhalb dieser existiert eine Forellenzucht, wobei die Ausbeute den Bedarf der angrenzenden Fischräucherei nur zu einem Teil deckt.

 

Schlauchboot und Kanu

Wer hier zunächst an Wildwassertouren denkt, wird enttäuscht werden. Natur und Naturschutz haben dieser Form des Wassersports einen Riegel vorgeschoben. Die linkselbigen Nebenflüsse eigen sich aufgrund der niedrigen Pegel ohnehin nicht für eine Befahrung (einzige Ausnahme ist die Gottleuba) und die auf rechter Seite... die sind allesamt aus (verständlichen) Gründen des Naturschutzes gesperrt.

Allerdings hatte der Naturschutz nicht allzeit ein wachsames Auge. Vor allem die Kirnitzsch war bis zur 1988 verhängten Sperrung ein häufig besuchtes Revier der Kanuten. 1926 gelang den Dresdner Kanuten Otto Heinicke und Fritz Scheppler die Erstbefahrung. Noch vor 1950 wurde eine Wildwasserstrecke auf der Kirnitzsch errichtet, wann diese verschwand, ist (mir) nicht bekannt. Im Spätherbst, am Tag, an dem die Tore an der Oberen Schleuse geöffnet wurden, fanden über etliche Jahre hinweg wettbewerbsmäßige Befahrungen statt. Neben den Schwierigkeiten an Stromschnellen und den zahlreichen Wehren hatten die Teilnehmer vor allem auf Baumstämme zu achten, die mit den Fluten ins Tal trieben.

Polenz, Sebnitz und Lachsbach waren bis zur Sperrung bei Kanuten ebenso beliebt. Auf der Wesenitz, die aufgrund der Nähe zur Region gerade noch im Einzugsbereich des Elbsandsteingebirges liegt, ist die Befahrung weit nördlich, also außerhalb des Gebirges, noch immer gestattet.

Und wenn wir schon den Rand touchieren: Im Böhmischen Teil liegt mit der Ploučnice, die in Děčín in die Elbe mündet, der einzige heute noch offiziell befahrbare Nebenfluss, der zumindest in Teilen auch mal schnellere Passagen beinhaltet, diese selbst befinden sich allerdings bereits außerhalb des Elbsandsteingebirges.

Der Vollständigkeit halber sei noch die Kamenice erwähnt, die oberhalb der Kahnpartien häufig aufgesucht wurde - heute ist auch diese für den Wassersport tabu.

Bleibt die träge dahin plätschernde Elbe. Sanfte Schlauchboottouren oder Kanufahrten (je nach Akteur auch mit Renncharakteristik) sind möglich. In der Sächsischen Schweiz verleihen gleich mehrere Anbieter entsprechendes Sportgerät. Ja nach Anbieter sind fast alle Elborte als Ausgangspunkt möglich. Ziel ist oft Pirna oder gar Dresden, ab Königstein wären das knapp 20 bzw. 35 km Strecke. Transport zum Start (wenn erforderlich) und Rücktransport übernimmt der Anbieter.

 

 

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