Länge 20,8 Kilometer (ohne die Schleife durch Böhmen verkürzt sich die Strecke auf 14 Kilometer)
Dauer 5–6 Stunden (3–4 Stunden ohne Böhmen)
Anspruch Anspruchsvoll, 450 Höhenmeter, zum Höhenprofil
Sehenswertes Kochemoor, Moorteich, Bennohöhle
Aussichten Johanniswacht, Zeisigstein, Grenzplatte
Einkehr Alte Bäckerei, Hotel Panorama und Zeltplatz in Ostrov (Eiland), Turistická chata in Tisá (Tyssa), Ottomühle
Anfahrt Pkw oder S-Bahn bis Königstein und Bus (Linie 242/245) bis Schweizermühle und zwei Fleißkilometer zu Fuß

Touristisch bestens erschlossen bietet das vordere Bielatal ein wahres Feuerwerk an leicht zugänglichen Aussichten. Doch was ist mit den weiten Wäldern der Peripherie? Auch dort, im sogenannten Erzgebirgsgrenzgebiet, versteckt sich das eine oder andere Kleinod, das wir mit diesem Wandervorschlag geschickt zu einer Runde kombinieren. Die unverbindliche Verlängerung ins Böhmische ist nicht nur für den Freund der böhmischen Küche eine Empfehlung …

Bei Anreise mit dem ÖPNV kann es nur der Bus sein, der zwischen Königstein und Rosenthal pendelt. Nutzen Sie die Haltestelle an der Schweizermühle, von der aus es ein knapper, dafür flacher Kilometer bis zum Einstieg an den Johannistürmen ist. Kürzer stellt sich der Anmarsch für den Pkw-Anreisenden dar: Vom großen Parkplatz im Bielatal laufen Sie etwa 250 Meter die Straße zurück (talwärts) bis auf der linken Seite ein Bergpfad zur Johanniswacht ausgewiesen ist.

Der gelbe Punkt ist hier Ihr Freund. Der gleichzeitig als Bergpfad markierte Zugang zur Johanniswacht entpuppt sich als schmaler Pfad, der sich durch das nach einem Kahlschlag üppig wuchernde Unterholz den Felsen nähert. Steinstufen leiten rechts um den Gipfel der Frederike herum. Erst künstliche Erweiterungen machten den engen Durchschlupf der nachfolgenden Schlucht für das Publikum gangbar. Die letzten Meter über eine Leiter rechtfertigen die Einordnung des Weges als Stiege – zumindest bei wohlwollender Betrachtung.

Vom kleinen Kessel, den Sie am Ausstieg betreten, ist es nur ein „Katzensprung“ bis zur Aussichtsplattform an der Johanniswacht. Der Aufwand liegt nahe null, der Nutzen, in Form eines einzigartigen Blickes, ist abhängig vom Empfinden des Kandidaten.

Der Markierung folgend durchschreiten Sie nun den Kessel. Der breite Weg plätschert so dahin, bis eine geräumige Schneise, die unmöglich zu verkennen ist, den richtigen Augenblick bestimmt, die innige Freundschaft mit dem gelben Punkt aufzukündigen und stattdessen mit der nach Westen weisenden Rosenthaler Straße anzubandeln. Lange Zeit geht es schnurgerade dahin, bis keine Schneise, dafür eine tiefe Senke, zur Obacht mahnt. Unmittelbar nach der Talsohle führt die Wanderung nach links in den schattigen Diebsgrund hinein.

Unmerklich steigt das Gelände an.

Bevor das „Un“ zu schwinden droht, verspricht, genau auf Höhe eines Rastplatzes beginnend, der Zauschengrund (abgeleitet aus dem Slawischen „trockener Grund“) Aufschub. Kein Wegweiser beschildert den rechts abgehenden Grund. Bequem geht es auf deutlichen Spuren durch das idyllische Tal dahin, bis als abschließende Hürde ein moderater Anstieg lauert, welcher final in eine Forststraße mündet.

Exakt 50 Meter weiter links, eine Bank dient als Orientierung, laufen Sie nach rechts und erreichen nach 200 Metern das Naturflächendenkmal Kochemoor, eine großzügige Lichtung, an deren Moorcharakter wohl auch der Damm, den Sie queren und der den Abfluss des Wassers reduziert, seinen Anteil hat.

Nun wird die Wegfindung wirklich kompliziert. Oder auch nicht, wenn Sie den Rat befolgen, dem wenige Meter nach dem Damm links abgehenden Pfad zu folgen (obwohl der geradeaus führende Weg eine Forstsetzung suggeriert). Nach knapp 150 Metern bestätigt gleich ein Konvolut aus mehreren Wegweisern die korrekte Wahl. Allerdings sollten Sie der Entfernungsangabe zum Zeisigstein nicht allzu viel Bedeutung zumessen – es ist fast dreimal so weit wie dort ausgewiesen. Der Faktor drei gilt auch für den Sprint zum Kochemoor.

Je nach Zustand der Vegetation ist der Zeisigstein bereits zu erkennen, wenn Sie den breiten Forstweg des Mehlsteigs erreichen. Hier geht es kurz nach rechts und an der Wanderhütte wiederum nach links. Jetzt liegen das verblockte Areal und ein kurzer Aufstieg vor Ihnen. Das Gipfelbuch hoch oben ermöglicht auch dem Wanderer einen Eintrag. Die Aussicht auf Hellendorf, Petrovice (Peterswald) und die Berge des Osterzgebirges ist leider durch wuchernde Birken eingeschränkt.

Zurück auf dem Mehlsteig wandern Sie auf diesem in östliche, später zunehmend nördliche Richtung bis nach ca. 2,5 Kilometern gleich mehrere Wanderwege aufeinandertreffen.

Verharren Sie gedanklich an jener Position, denn die folgenden Richtungsangaben nehmen darauf Bezug!

Der Moorteich ist von hier mit solch geringem Aufwand zu erlaufen, dass Sie unbedingt kurz nach links schauen sollten.

Und nun befragen Sie Ihre Füße, ob Sie weiter den lustigen Müller mimen möchten oder doch besser direkt – gerade im Sinne der obigen Position – über Mehlsteig (grüner Strich) und Ottomühle zum Ausgangspunkt laufen möchten (drei Kilometer). Die Strecke via Mehlsteig zur Ottomühle ist deutlich kürzer als die ausgeschilderte durch den Glasergrund!

Weiter im regulären Ablauf geht es jedoch nach rechts; die Grenzplatte ist bereits ausgeschildert. Schon nach einem knappen Kilometer lauert die nächste Entscheidung: Abstecher nach Böhmen (Einkehrmöglichkeiten) oder aber Verzicht auf Knödel und Bier und sieben zusätzliche Kilometer?

Links geht es in den Glasergrund, geradeaus zur Grenzplatte (gelbe Markierung) und als Grenzgänger entscheiden Sie sich natürlich für rechts!

Nach knapp 200 Metern sollten Sie nicht nach rechts auf den Theilemannweg abdriften, sondern geradeaus auf dem Glasergrundweg bleiben, bis Sie weitere 300 Meter darauf die Grenze nach Tschechien passieren. Je nach (witterungsbedingtem) Zustand des Pfades folgen Sie dem Grenzverlauf 200 Meter nach links oder aber Sie laufen geradeaus, um den nächsten Abzweig nach links zu nehmen (dann 300 Meter). An dieser Stelle entscheiden Sie sich für den breiten Wanderweg, der lotrecht von der Grenze wegführt (der offensichtliche Wegweiser sollte letzte Zweifel ausräumen). Knapp 2,5 flache Kilometer durch den Wald sind es bis zur Turistická chata (Touristenbaude) in Tisá (Tyssa), die nur montags Ruhetag hat.

Unermüdliche Wanderer können jetzt noch die Runde durch die imposanten Tiské stěny (Tyssaer Wände) anschließen. Mit lediglich drei Kilometern erhöht sich das Pensum nur geringfügig.

Von der Chata geht es zurück zur kleinen Lichtung oberhalb des Parkplatzes.

Von links kamen Sie. Nach rechts laufen Sie.

Die rote Markierung (an Abzweigen links halten) führt durch die Felsengruppe Volské kameny (Himmelreich) nach Ostrov (Eiland).

Sollten Sie jetzt eine Einkehr in Erwägung ziehen, stehen Ihnen im kleinen Ort immerhin drei Möglichkeiten zur Wahl.

Nur mutwillig zu verfehlen ist die urige Kneipe Pod Císařem am Zeltplatz, den Sie zwangsläufig bei Ortseintritt erreichen. Angebot und Öffnungszeiten sind jedoch kaum als üppig zu bezeichnen.

Geradezu ein Pfund in Sachen Öffnungszeiten ist das Hotel Panorama, das Sie am einfachsten erreichen, indem Sie links über den Zeltplatz (300 Meter) laufen. Das Angebot ist immens, die Preise auch, urig böhmisch ist es nicht. Eher touristisch verseucht.

Ein Kompromiss ist Stará pekárna, die alte Bäckerei, mit gutem böhmischen Angebot und – zumindest zwischen Frühjahr und Herbst – akzeptablen Öffnungszeiten. Diese Einkehr befindet sich quasi oberhalb des Hotels an der Hauptstraße (wenn man die schmale Straße so nennen mag). Diese Straße führt dann unmittelbar zum Grenzübergang.

Ohne Abstecher zur Alten Bäckerei bietet es sich an, über den Zeltplatz zu laufen und das Hotel Panorama linksseitig zu passieren. Dem schmalen Pfad über die Wiese folgen Sie zum Ostrovský rybník, einem künstlichen Teich, überqueren den Damm und halten (erster Weg links, dann rechts) auf die Hauptstraße zu, auf die Sie kurz vor dem Grenzübergang treffen.

Die offizielle Strecke leitet Sie nun ab dem Ende des Asphalts gut 800 Meter über die breite Forststraße, um dann spitzwinklig (gelber Strich) nach links zur Grenze zurückzuführen. Mit etwas Pfadfinderqualitäten entgeht Ihnen sicherlich nicht der kleine Pfad, der nach gut 200 Metern links den Weg verlässt. Er verspricht eine deutliche Abkürzung. Falls Sie den kleinen Steg über die Biela nicht finden, weil Sie einer der anderen Pfadspuren auf den Leim gegangen sind, dann genügt ein kühner Schritt an richtiger Stelle, um den hier noch überschaubaren Bach zu überwinden. Der offizielle Weg mit dem gelben Strich ist dann schnell erreicht: immer in Richtung Hang halten.

Nach Westen hin steigt der Weg allmählich an, um an der Grenze eine erneute Kehrtwendung zu nehmen und nun noch steiler auf die Ebene zu leiten. Nach rechts (roter Strich) ist hier die Grenzplatte ausgewiesen, eine breite Plattform, die die einzige (gut erreichbare) Aussicht auf das hintere Bielatal und Ostrov darstellt. In der Ferne bildet sich über dem Gipfel des Kleinen Grenzturms deutlich der Hohe Schneeberg vorm Firmament ab.

Der rote Strich ist Ihr Begleiter, wenige Schritte nördlich weist er nach Westen. Sie erreichen eine geräumige Forststraße, der Sie bis zum bitteren Ende nach Norden folgen. Der holprige Weg führt nun steil ins Bielatal hinab. Am folgenden Wegweiser geben Sie dem roten Strich den Laufpass und bleiben auf dem nun flachen Fahrweg, um der nur 250 Meter entfernten Bennohöhle einen Besuch abzustatten. Schließlich ist es die größte für den Normalverbraucher zugängliche Höhle im Tal (die „wahre“ größte ist die Wohlrabhöhle). Um bis zu ihrem tiefsten Punkt vorzudringen, ist ein Geleucht allerdings unabdingbar.

Im hintersten Winkel der Bennohöhle findet sich die vermeintlich älteste bekannte Inschrift der Sächsischen Schweiz: „M. v. Donjin ↑↑↑ 1401 Benno“. Der Überlieferung nach erinnern Jahreszahl und Namen an den Burggrafen Maul von Dohna, der bei Kämpfen mit wettinischen Streitkräften in der Nähe des Zeisigsteins fiel. Allerdings hält man die Inschrift aufgrund der nicht zur Zeit passenden Typographie für eine Fälschung und vermutet, dass diese erst während der touristischen Erschließung 1824 angebracht wurde, um zu suggerieren, dass hier die Überreste des Bischofs Benno aufgefunden wurden, der, ebenfalls Gerüchten nach, hier gehaust haben soll. Zumindest der Name Benno hat sich als Bezeichnung der Höhle manifestiert.

Von der Bennohöhle bis zur Ottomühle und weiter zum Ausgangspunkt am Parkplatz ist es nur ein kurzes Stück.

Zum Seitenanfang